Sind Kinder wirklich das Problem bei den Masern?

Erwachsene haben ein höheres Risiko für Komplikationen bei Masern als Kinder. Aus diesem Grund ist die Altersstruktur der gemeldeten Masernfälle von Interesse.

Vor der Einführung der Massenimpfungen waren Erwachsenenmasern selten, da nahezu alle Kinder die Masern bis zum Alter von 10 Jahren durchgemacht hatten. Durch die allmähliche Einführung der Massenimpfungen ab den 1980er Jahren in Deutschland kam es zunehmend zu Immunitätslücken bei Erwachsenen. Viele Erwachsenen wurden in der Kindheit nicht gegen Masern geimpft und hatten aber auch keine echten Masern durchgemacht. Aus diesem Grund empfahl die STIKO im Jahr 2010 für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen, die entweder ungeimpft waren, oder deren Impfstatus unklar ist, die keine oder nur eine Impfung in der Kindheit hatten, eine MMR-Impfung. Diese Empfehlung ist jedoch der überwiegenden Mehrheit der betroffenen Erwachsenen völlig unbekannt, wie aus einer Umfrage aus dem Jahr 2016 hervorgeht: „1970 oder später Geborene, die nicht ausreichend gegen eine Masernerkrankung geschützt sind oder deren Immunstatus unklar ist, wurden gefragt, aus welchen Gründen sie sich bisher nicht gegen Masern haben impfen lassen. Wissensdefizite spielen hier eine große Rolle: Die Mehrheit der Befragten gibt an, dass sie niemand auf die Notwendigkeit einer Impfung hingewiesen hat (61 %). Etwa jeder Fünfte (jeweils 18 %) geht davon aus, nicht zu einer Gruppe zu gehören, für die eine Impfung gegen Masern empfohlen wird oder begründet die nicht erfolgte Masernimpfung mit der Angst vor Nebenwirkungen.“[i]

Damit liegen sinnvolle Maßnahmen für die Erwachsenen in der empfohlenen Altersgruppe auf der Hand: Aufklärung. Wie viele Erwachsene bekommen bei uns in Deutschland nun die Masern? Sind Masern nach wie vor eine Kinderkrankheit, so dass eine Impfpflicht für Kinder vernünftig und logisch ist?

prozentualer Anteil von Erwachsenen an den gemeldeten Masernfällen

Seit letztem Jahr sind über die Hälfte aller gemeldeten Masernfälle Erwachsene. Die Tendenz ist steigend. Die Krankheit verschiebt sich also zunehmend in höhere Lebensalter, was wegen des höheren Komplikationsrisikos ungünstig ist.

Immer mehr Kinderärzte gehen dazu über ungeimpfte Kinder aus ihrer Praxis zu verbannen. Diese seien eine Gefahr für andere Kinder, vor allem für noch ungeimpfte Säuglinge. Da jedoch überwiegend Erwachsene an Masern erkranken, müssten die Kinderärzte eigentlich auch alle ungeimpften Begleitpersonen aus der Praxis werfen.

Wir fassen dieses Kapitel zusammen. Weit mehr als die Hälfte der Masernfälle sind Erwachsene. Der Anteil der Erwachsenen unter den gemeldeten Masernfällen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Zwei Drittel der Erwachsenen wissen nicht, dass für sie eine Impfung empfohlen ist. Aus diesen Gründen müsste es logischerweise statt einer Impfpflicht für Kinder umfangreiche Aufklärungskampagnen für Erwachsene geben.


[i] https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/infektionsschutzstudie_2016–f4f414f596989cf814a77a03d45df8a1.pdf

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