Zur Sicherheit der HPV-Impfungen

Seit rund 20 Jahren sind HPV (Humane Papillomviren)-Impfstoffe auf dem Markt. Auffälligkeiten in den Zulassungsstudien sind lange bekannt. Unzählige Berichte über Impfkomplikationen lassen aufhorchen. Laufende Gerichtsverfahren geben neue Hinweise auf die Zusammensetzung der bekanntesten HPV-Impfstoffe Gardasil und Gardasil 9. Eine Neubewertung der Sicherheit der HPV-Impfstoffe scheint überfällig.

 
Ein großes Produkthaftungsverfahren gegen den Hersteller der bekanntesten HPV-Impfstoffe Gardasil und Gardasil9 läuft derzeit in den USA.[1] Dem Pharmakonzern Merck & Co wird unter anderem vorgeworfen, die Risiken seiner HPV-Impfungen nicht ausreichend kommuniziert zu haben. Im Gegenteil sogar die möglichen Nebenwirkungen seiner Impfstoffe gezielt heruntergespielt zu haben. Die Kläger argumentieren, dass die klinischen Studien zur Zulassung der beiden Impfstoffe methodisch so konstruiert wurden, dass die Ergebnisse in jedem Fall positiv für die Impfstoffe ausfallen würden. Darüber hinaus seien die Sicherheitsdaten den Zulassungsbehörden weltweit selektiv dargestellt worden.

Neben der Produkthaftung werden daher in diesen Klagen konkret auch die Vorwürfe der Fahrlässigkeit und des Betruges behandelt. Die bisherige und zukünftige Beweisaufnahme richtet sich auf die Prüfung der Impfstoffe, auf die Angaben in den Fachinformationen und auf die behördliche Zulassung von Gardasil und Gardasil9.

Tatsächlich sind diese Vorwürfe der methodischen Verzerrung und des bewussten Betruges zu Gunsten der HPV-Impfstoffe nicht neu. Seit im Jahr 2018 die – eigentlich unabhängig agierende – Cochrane-Collaboration eine große Übersichtsarbeit zu den HPV-Impfstoffen veröffentlicht hat, sind genau diese Vorwürfe in die Mitte einer wissenschaftlichen Diskussion gerückt. Die Autoren kamen damals zu dem Ergebnis, dass HPV-Impfstoffe wirksam gegen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs seien und keine Hinweise auf schwerwiegende Sicherheitsprobleme bestünden.[2] Der dänische Professor für klinische Forschung und Mitbegründer der Cochrane-Collaboration Peter C. Gøtzsche widersprach gemeinsam mit diversen anderen Autoren dieser Bewertung vehement: Die Analyse vermittle ein verzerrt positives Bild der Impfstoffe. Die Kritikpunkte richteten sich darauf, dass nicht alle relevanten Studien berücksichtigt worden seien. Auch seien mögliche schwere Nebenwirkungen nicht ausreichend untersucht worden. Insgesamt hätten die industriegesponserten Studien ein zu großes Gewicht erhalten, während die Interessenkonflikte der Autoren zu wenig thematisiert worden seien.[3]

Die Cochrane-Debatte 

Die Debatte zog diverse wissenschaftliche Kommentare und weitere Ausarbeitungen nach sich, die bis heute einmal die Sicherheit der HPV-Impfstoffe und einmal die ursprüngliche Unabhängigkeit der Cochrane-Collaboration in Frage stellen. Letztlich handelt es sich dabei um einen grundsätzlichen Konflikt innerhalb der evidenzbasierten Medizin: Wie unabhängig können medizinische Bewertungen sein, wenn ein Großteil der klinischen Forschung vom Hersteller selbst finanziert wird? Der seinen Absatzmarkt und seinen Gewinn gefährdet sieht, sobald die Häufigkeit von Nebenwirkungen transparent kommuniziert wird?

Der Charakter der Nebenwirkungen 

Zu den bekanntesten, schweren gesundheitlichen Schäden nach HPV-Impfungen zählen neurologische Schäden mit und ohne Krampfanfälle, chronisches Erschöpfungssyndrom (Fatigue), Ohnmachtsanfälle (Synkopen), Entzündung des Rückenmarks bzw. Nervensystems (Transverse Myelitis), Fibromyalgie, Posturales Tachykardiesyndrom (POTS), Funktionsstörungen der Eierstöcke (Ovarialinsuffizienz) sowie Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Rheuma, Diabetes, Lupus, Alopecia oder das Guillain-Barré-Syndrom.

Vor den COVID-19-Impfstoffen waren es wohl die HPV-Impfstoffe, um die sich Eltern und Patienten weltweit am meisten Sorgen machten. Im Falle von Impfkomplikationen kam es nicht selten zu radikalen Lebensveränderungen, wenn beispielsweise das eigene Kind die Schule nicht weiter besuchen konnte, es nicht mehr fähig war , das Bett zu verlassen, auf einen Rollstuhl angewiesen war und zum Pflegefall wurde.

Schwere neurologische Schäden, Schwindel und Krämpfe waren es auch, die in Japan kurz nach der Einführung der HPV-Impfstoffe berichtet wurden. Bereits 2013 wurde die staatliche HPV-Impfempfehlung daraufhin ausgesetzt, die HPV-Impfrate fiel von etwa 70% auf unter 1%. Erst seit 2021 sind HPV-Impfungen in Japan wieder empfohlen, nachdem sich durch Studien weder eindeutig beweisen noch völlig ausschließen ließ, dass die Impfungen ursächlich für die Symptome sind.

Chronische Schmerzen, chronische Müdigkeit und Schwindel zählten auch in Dänemark zu den Auffälligkeiten nach HPV-Impfungen, die ebenfalls ab 2013 publik wurden. Trotz Auswertung des staatlichen Gesundheitsregisters ergab sich keine erhöhte Gefahr dieser Erkrankungen bei HPV-geimpften Mädchen und Frauen. Die dänischen, wie die japanischen Auswertungen zeigen dabei eine grundsätzliche Problematik auf: Es gibt zu unterschiedlichen Impfkomplikationen durchaus detaillierte Fallstudien [4][5]; auf Bevölkerungsebene jedoch können diese Effekte der Impfungen methodisch nicht dargestellt werden.[6][7] So erscheinen die Geschädigten als “Einzelfälle”, die sich von Ärzten nicht ernst genommen und von den Gesundheitsbehörden allein gelassen fühlen.

Die Kritik an den Zulassungsstudien 

Insbesondere die neurologischen und autoimmunen Erkrankungen betreffend, wird von Anfang an Kritik an der Methodik der Zulassungsstudien von Gardasil geübt. Der damals neue HPV-Impfstoff wurde an rund 15.000 Frauen getestet. Daneben gab es eine sogenannte Kontrollgruppe mit rund 13.000 Frauen, die Gardasils aluminiumhaltigen Wirkverstärker AAHS (Amorphes Aluminiumhydroxyphosphatsulfat) erhielten, und eine Placebogruppe mit rund 600 Frauen, die Kochsalzlösung und Polysorbat 80 erhielten.[8]

Bei den leichteren Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle und Fieber zeigten die Frauen der Placebogruppe die geringsten Nebenwirkungen. Bei der Darstellung der systemischen Autoimmunerkrankungen jedoch wurden nicht mehr alle drei Gruppen miteinander verglichen, sondern es wurden die Kontrollgruppe und die Placebogruppe zusammengefasst. So konnte dargestellt werden, dass es in beiden Gruppen etwa zu gleich vielen Autoimmunreaktionen kam. Was nicht verwunderlich ist, da beide großen Gruppen den stark reaktogenen Wirkverstärker AAHS erhalten hatten.

Auffällig ist die Untermischung der kleinen Placebogruppe, denn nur hier wäre ein Vergleich ohne Impfstoff und ohne AAHS überhaupt möglich gewesen. Mittlerweile konnte die Einsicht in Studienunterlagen eingeklagt werden, die zeigen, dass die Rate an schweren Nebenwirkungen in der kleinen Placebogruppe deutlich niedriger war. Und dass, obwohl auch diese Probanden mit Polysorbat 80 einen Inhaltsstoff mit einer potenziell Allergie-auslösenden Wirkung erhalten haben.

Tatsächlich hat kein einziger Teilnehmer der Studien ein reines Placebo ohne immunologisches und/oder allergenes Potential erhalten. Mit dem Zusammenlegen der Gruppen wurden jegliche Auffälligkeiten bewusst maskiert.

Hinzu kommt, dass im weiteren Verlauf der Studie nahezu alle Probanden der Kontroll- und der Placebogruppe ebenfalls drei Impfdosen Gardasil erhielten -– es gab damit keine ungeimpfte Vergleichsgruppe mehr. Langfristige Aussagen zur Sicherheit des Impfstoffs wurden so erschwert bis unmöglich, da es in allen Gruppen mit aktiven Substanzen zu ähnlichen Nebenwirkungen kam.[9]

Wirkverstärker ohne Prüfung 

Amorphes Aluminiumhydroxyphosphatsulfat (AAHS) – der damals neue Wirkverstärker des damals neuen Impfstoffs Gardasil – wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ohne vorherige Sicherheitsprüfungen als Bestandteil von Impfungen zugelassen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, im Rahmen laufender Klagen gegen den Hersteller Merck fiel auf, dass das Unternehmen den amerikanischen und europäischen Aufsichtsbehörden gegenüber Informationen unterschlagen hat. Merck hatte über Jahre hinweg AAHS bereits in anderen Impfstoffen verwendet, es den Zulassungsbehörden gegenüber jedoch als gängiges Aluminiumhydroxid bezeichnet.[10]

Merck scheint sich der chemischen und funktionellen Unterschiede von Aluminiumhydroxid und AAHS bewusst gewesen zu sein, da das Unternehmen eine interne Studie veröffentlicht hat, in der AAHS mit klassischen Wirkverstärkern verglichen wird. Die Änderung der Bezeichnung lässt vermuten, dass Merck die Zulassung für AAHS möglicherweise erschlichen hat, ohne die verpflichtenden Richtlinien für neue Wirkverstärker einzuhalten.

Bis heute hat der Hersteller eine Analyse seines Produktes AAHS durch unabhängige Universitäten oder private Labore verhindert. Sicher ist, dass AAHS lokale und systemische Entzündungsreaktionen sowie Immunaktivierungen verursacht, die möglicherweise ausschlaggebend sind für einige der oben genannten Impfkomplikationen.

DNA im Impfstoff 

Auch im Rahmen der laufenden Klagen gegen Merck erhielten die Anwälte erstmals Einblick in interne Unternehmensdokumente, die eine grundsätzliche Diskussion um die Zusammensetzung von Gardasil und Gardasil 9 nach sich zog. Bis zu dem Zeitpunkt wurde noch angenommen, dass es sich bei der gefundenen HP-Viren-DNA im Impfstoff um Verunreinigungen handelt. In allen Stichproben des Impfstoffs war bereits im Jahr 2012 Viren-DNA nachweisbar, zumeist lag diese gebunden an den Aluminium-Wirkverstärker  AAHS vor.[11][12]

Nun, mit der Herausgabe weiterer Daten argumentieren die Kläger vor Gericht, dass die DNA-Bestandteile absichtlich oder zumindest wissentlich im Impfstoff verblieben seien. Denn – so die weitere Argumentation – die Bindung an AAHS erleichtere die Aufnahme in die Immunzellen. Entzündungs- und Autoimmunreaktionen sind die wahrscheinlichste Folge. Ein Umstand, den der Hersteller möglicherweise konkret einkalkuliert hat, um das Immunsystem zu einer stärkeren Antikörperbildung anzuregen. Es kam gar die Frage auf, ob Merck hier heimlich mit einer Art zweiten Wirkverstärker experimentiert hat.

Letztlich spielt der Hersteller die Bedeutung von DNA-Resten im fertigen Impfstoff herunter. Die Diskussion ähnelt damit erstaunlich der Diskussion um die Verunreinigungen der COVID-19-mRNA-Impfstoffe. Die Fragmente seinen biologisch wahrscheinlich nicht relevant, die Sicherheitsbewertung der Impfstoffe sei zu jedem Zeitpunkt ausreichend gewesen und gesundheitliche Langzeitschäden seien nicht zu erwarten. Die Tatsache bleibt dennoch bestehen, dass der Hersteller nachweislich Wissen zu DNA-Bestandteilen in seinen Produkten hatte und dennoch entschieden hat, weder die Zulassungsbehörden noch die Öffentlichkeit darüber zu informieren.

Es darf bei all diesen formalen, juristischen und medizinischen Details nicht vergessen werden, dass diese Impfungen Kindern ab 9 Jahren verabreicht werden. Alle bekannten und unbekannten Risiken tragen hier letztlich schon die Kleinsten. Solange die genaue Zusammensetzung des Wirkverstärkers AAHS und die konkreten Hintergründe der DNA-Bestandteile in den meistverwendeten HPV-Impfstoffen Gardasil und Gardasil 9 nicht bekannt sind, bleibt jede Sicherheitsbewertung unvollständig.

Weitere Beiträge aus der Artikelserie zu HPV-Impfungen


[1] U.S. Government Information: Gardasil Products Liability Litigation, MDL No. 3036, 04.08.2022  

https://www.govinfo.gov/content/pkg/USCOURTS-jpml-1_22-F-03036/pdf/USCOURTS-jpml-1_22-F-03036-0.pdf 

[2] Cochrane Collaboration: Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors, 09.05.2018 

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009069.pub3/full

[3] British Medical Journal: The Cochrane HPV vaccine review was incomplete and ignored important evidence of bias, 27.07.2018 

https://ebm.bmj.com/content/23/5/165

[4] Internal Medicine: Peripheral Sympathetic Nerve Dysfunction in Adolescent Japanese Girls Following Immunization with the Human Papillomavirus Vacciney, 05.06.2014 

https://www.jstage.jst.go.jp/article/internalmedicine/53/19/53_53.3133/_article

[5] Springer Nature: Human papillomavirus (HPV) vaccine safety concerning POTS, CRPS and related conditions, Clinical Autonomic Research, 12.121.2019 

https://link.springer.com/article/10.1007/s10286-019-00653-5

[6] American Journal of Epidemiology: Hospital Records of Pain, Fatigue, or Circulatory Symptoms in Girls Exposed to Human Papillomavirus Vaccination: Cohort, Self-Controlled Case Series, and Population Time Trend Studies, 04.04.2020 

https://academic.oup.com/aje/article/189/4/277/5695267

[7] Papillomavirus Research: No association between HPV vaccine and reported post-vaccination symptoms in Japanese young women: Results of the Nagoya study, 23.02.2018 

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2405852117300708

[8] U.S. Food and Drug Administration: Gardasil Package Insert, 04/2015 

https://www.fda.gov/files/vaccines%2C%20blood%20%26%20biologics/published/Package-Insert—Gardasil.pdf 

[9] International Journal of Risk & Safety in Medicine: A reactogenic “placebo” and the ethics of informed consent in Gardasil HPV vaccine clinical trials: A case study from Denmark, 01.05.2024 

https://journals.sagepub.com/doi/10.3233/JRS-230032

[10] BMJ Journals: Was amorphous aluminium hydroxyphosphate sulfate adequately evaluated before authorisation in Europe?, 06.08.2020 

https://ebm.bmj.com/content/26/6/285

[11] Journal of Inorganic Biochemistry: Detection of human papillomavirus (HPV) L1 gene DNA possibly bound to particulate aluminum adjuvant in the HPV vaccine Gardasil, 30.08.2012 

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S016201341200267X?via%3Dihub

[12] Advances in Bioscience and Biotechnology: Detection of human papillomavirus L1 gene DNA fragments in postmortem blood and spleen after Gardasil® vaccination—A case report, 26.11.2012 

https://www.scirp.org/pdf/ABB20120800017_19392756.pdf