Gerne pauschal als die “Impfung gegen Krebs” bezeichnet, sind die Impfstoffe Cervarix, Gardasil und Gardasil9 schon seit Jahrzehnten auf dem Markt. Ihnen wird eine Schutzwirkung vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsformen zugesprochen, die bis heute mit Daten nicht zu belegen ist. Ganz im Gegenteil hat der Einsatz dieser Impfstoffe zu ungünstigen Verdrängungseffekten unter den Viren geführt, die das Risiko für Krebserkrankungen letztendlich erhöhen können.
Nahezu alle Menschen kommen in ihrem Leben mit Humanen Papillomaviren (HPV) in Kontakt. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um kurze Infektionen, die symptomlos bleiben und die das Immunsystem vor keine allzu große Aufgaben stellen. Kommt es jedoch zu einer langanhaltenden Infektion, vor allem in Phasen eines geschwächten Immunsystems, stehen die Viren im Verdacht über Zellveränderungen und Krebsvorstufen letztlich Krebs zu fördern. Dabei handelt es sich in erster Linie um Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsformen im Genitalbereich, jedoch auch um Krebsformen der Analregion und des Mund-Rachen-Raums.[1]
Bei dieser Angst um lebensbedrohliche Tumorentwicklungen setzen die groß angelegten Werbe-Kampagnen für die HPV-Impfstoffe an: Sie wird bereits seit Jahrzehnten als Impfung gegen Krebs vermarktet. Weniger erwähnt wird dabei, dass sich Gebärmutterhalskrebs tatsächlich nur in 30 bis 50% der Fälle aus derartigen Zellveränderungen entwickelt. Und das über einen Zeitraum von durchschnittlich 20 Jahren. Dabei sind die meisten der beobachteten Zellveränderungen und Krebsvorstufen sehr gut behandelbar. Bei derart hohen Raten an Infektionen, derart niedrigen Raten an schweren Erkrankungen und einem derart langen Zeitraum der Krankheitsentwicklung bieten sich Früherkennungsuntersuchungen geradezu an.
Staatlich koordinierte Früherkennung
Innerhalb Europas haben bereits Finnland und die Niederlande ein staatliches Screening-Programm umgesetzt, zu dem alle Frauen alle fünf Jahre eingeladen werden. Das Mindestalter dieser Früherkennungsuntersuchungen liegt bei 30 Jahren, weil sich erfahrungsgemäß bei jüngeren Frauen nahezu alle Krebsvorstufen unbehandelt wieder zurückbilden. Krankheitslast und Todesfälle mit Bezug zu Gebärmutterhalskrebs konnten in beiden Ländern durch jährliche Abstriche deutlich gesenkt werden. Die engmaschigen Kontrolluntersuchungen und wenn nötigen Therapien schließen ausdrücklich auch HPV-geimpfte Frauen mit ein, da die Impfungen nur einen Bruchteil der Virentypen adressieren.
Bislang sind 230 verschiedene HPV-Typen bekannt, wovon HPV 16 und 18 in bis zu 80% der Gebärmutterhals-Tumore gefunden wurden. Sie haben daher die Bezeichnung als Hochrisiko-Typen erhalten, die mit der Entstehung von Krebserkrankungen assoziiert werden. Aus diesem Grund richten sich alle derzeitigen HPV-Impfstoffe mindestens auf HPV 16 und 18. Deutlich seltener werden HPV 31, 33, 45, 52 oder 58 gefunden, die von dem am häufigsten verwendeten Impfstoff Gardasil9 abgedeckt werden sollen.[2]
Modellierungen zur Wirksamkeit
Da zwischen einer anhaltenden Infektion und der Entwicklung eines Tumors Jahrzehnte vergehen, lagen lange Zeit nur Studien zur Wirksamkeit der HPV-Impfungen als Modellierungen vor. Konkret zu Erfassungen von Infektionen und Krebsvorstufen, jedoch nicht zur Verhinderung von Krebs. Als der erste HPV-Impfstoff Gardasil im Jahr 2006 und der Nachfolger Gardasil9 im Jahr 2015 zugelassen wurde, konnte ein Schutz vor Gebärmutterhalskrebs oder anderen Krebsformen noch nicht belegt werden. Die Studien zur Zulassung des neuen Produktes liefen nicht lange genug, um einen solchen Effekt nachweisen zu können.
Die Zulassungsbehörden gaben sich daher mit sogenannten Surrogatendpunkten zufrieden – definierten Ersatz-Diagnosen wie mittelgradigen Zellveränderungen, anstatt der klinischen Diagnose Krebs. Das heißt, die Impfstoffhersteller mussten zur Vermarktung ihre HPV-Impfstoffe tatsächlich keine Wirksamkeit gegen Krebs nachweisen. Ob die Impfungen in Zukunft zu einer Reduzierung von Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsformen beitragen können, sollte sich erst durch eine langfristige Überwachung nach der Zulassung zeigen.[3]
Methoden der Langzeitstudien
Und hier stehen wir nun: Über Jahrzehnte hinweg wurden Kinder, Teenager und junge Erwachsene allein in der Annahme geimpft, diese Injektionen könnten diverse Formen von Krebs verhindern. Der Druck auf die Impfstoffhersteller, Belege für eine reale Schutzwirkung gegen Krebs zu erbringen, stieg über die Jahrzehnte stetig an. Mittlerweile liegen Langzeitdaten aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Studiendesigns vor, die auf einen Rückgang HPV-bedingter Krebsfälle hinweisen.[4][5][6]
Allen voran wegen massiver methodischer Mängel werden diese Studien kontrovers diskutiert und ihre Aussagen zur Wirksamkeit der HPV-Impfstoffe in Zweifel gezogen. Unterschiedliche Altersstrukturen der geimpften und ungeimpften Vergleichsgruppen, unterschiedlich lange Beobachtungszeiträume je nach Impfstatus, Einordnung der Personen mit unklarem Impfstatus, Nicht-Berücksichtigung der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen sowie Änderungen der Screening-Zeiträume führen letztendlich dazu, dass die Studienergebnisse jeweils zu Gunsten der Impfungen ausfallen.
Auffallend ist, dass selbst in der neuesten Cochrane-Analyse zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von HPV-Impfungen keine Aussagen zu Gebärmutterhalskrebs oder anderen Krebserkrankungen getroffen werden konnten. Es lagen auch 10 bzw. 19 Jahre nach Einführung der Impfstoffe noch keine Daten für eine derartige Analyse vor, da keine der 60 gefundenen Studien von ausreichender Dauer war.[7]
Verdrängung von Virentypen
Die Lücken zur realen Wirksamkeit dieser Impfungen sind tatsächlich noch größer, da für den Effekt einer Krebsentwicklung nur sehr wenige Virentypen betrachtet werden. Konkret lediglich 2 (Cervarix) bis maximal 9 (Gardasil9) unterschiedliche Virentypen. Diese Fokussierung auf einige wenige Typen bildet letztlich nur einen kleinen Ausschnitt aller Infektionen und Erkrankungen ab. Die Problematik dahinter zeigt sich in einem Phänomen, das als Replacement bezeichnet wird:
Der Rückgang bestimmter Virentypen kann dazu führen, dass andere Virentypen die neu entstandene Lücke füllen – in der Virologie ein häufig beobachteter Prozess. Verdrängungs-Effekte durch die HPV-Impfstoffe wurden von Anfang an befürchtet. Seitens der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden diese Effekte bis heute verneint [8], obwohl empirische Daten aus mindestens sechs Ländern ein derartiges Replacement belegen.[9-14]
Es handelt sich dabei um eine langfristige Konsequenz aus der Einführung der HPV-Impfstoffe, der für die Gesundheit aller Menschen problematisch werden kann: Die häufigsten HP-Virentypen werden verdrängt und zuvor seltenere HP-Virentypen treten vermehrt auf.[15] Handelt es sich bei den Virentypen, die neu ihren Platz eingenommen haben, um risikoreiche oder gar hochrisikoreiche Virentypen, bleibt die Gefahr krebserregender Infektionen entweder gleich oder erhöht sich gar ungünstig. Die Folgen der Nichtbeachtung dieses Phänomens dürften steigende Gebärmutterkrebsraten bei geimpften Frauen sein.
Dieser Effekt scheint bereits in einigen Ländern belegt: Länder mit einer hohen HPV-Impfrate wie beispielsweise Schweden, Australien und das Vereinigte Königreich, melden einen paradoxen Anstieg der Gebärmutterhalskrebsraten bei jungen, geimpften Frauen. In Frankreich hingegen, wo die HPV-Impfquote nach wie vor niedrig ist, sind die Gebärmutterhalskrebsraten weiter stetig zurückgegangen. Ein Hinweis, dass nicht die Impfungen, sondern die Vorsorgeuntersuchungen der Hauptgrund für den Rückgang der Erkrankungsfälle sind.
Neubewertung der HPV-Impfstoffe in Aussicht
Ziemlich genau seit 20 Jahren werden Mädchen und Frauen mit HPV-Impfstoffen geimpft, obwohl es immer noch an Daten zur Wirksamkeit vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsarten mangelt. Nach wie vor stehen wir unzureichender wissenschaftlicher Evidenz gegenüber, die sich aus unzähligen Studien mit teilweise erheblichen Mängeln zusammensetzt. Genau diese bis heute fragwürdige Wirksamkeit (und Sicherheit) der HPV-Impfungen hat in den USA dazu geführt, dass eine umfassende, wissenschaftliche Übersichtsarbeit zur Neubewertung der HPV-Impfstoffe in Auftrag gegeben wurde.[16]
Die nachgewiesene Wirksamkeit einer Impfung sollte DAS entscheidende Kriterium sein, ob sich eine Person für oder gegen eine Impfung entscheidet. Wenn es schon bei diesem zentralen Aspekt der Wirksamkeit an belastbaren Daten mangelt, kippt jede Nutzen-Risiko-Bewertung zwangsläufig nochmal ein Stück Richtung Risiko.
Weitere Beiträge zur Artikelserie HPV-Impfungen finden Sie hier.
[1] Robert-Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu HPV-Impfung und HPV-Infektion, Was passiert bei einer HPV-Infektion?, abgerufen am 24.02.2026
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html#entry_16870766
[2] Paul Ehrlich-Institut: HPV-Impfstoffe (Humane Papillomaviren), abgerufen am 24.02.2026
https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/gebaermutterhalskrebs-hpv/hpv-node.html
[3] World Health Organization: Primary End-points for Prophylactic HPV Vaccine Trials, International Agency for Research on Cancer, 2014
[4] Journal of the National Cancer Institute: Invasive cervical cancer incidence following bivalent human papillomavirus vaccination: a population-based observational study of age at immunization, dose, and deprivation, 22.01.2024
https://academic.oup.com/jnci/article/116/6/857/7577291
[5] The New England Journal of Medicine: HPV Vaccination and the Risk of Invasive Cervical Cancer, 30.09.2020
https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa1917338
[6] The British Medical Journal: Effect of the HPV vaccination programme on incidence of cervical cancer and grade 3 cervical intraepithelial neoplasia by socioeconomic deprivation in England: population based observational study, 15.05.2024
https://www.bmj.com/content/385/bmj-2023-077341
[7] Cochrane Review: Human papillomavirus (HPV) vaccination for the prevention of cervical cancer and other HPV‐related diseases: a network meta‐analysis, 24.11.2025
https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD015364.pub2/full
[8] Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu HPV-Impfung und HPV-Infektion, Führt die HPV-Impfung zu einem HPV-Genotypen-Replacement?, Stand 07.07.2025
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html#entry_16942696
[9] CDC: Population-Level Effects of Human Papillomavirus Vaccination Programs on Infections with Nonvaccine Genotypes, Emerging Infectious Diseases, Oktober 2016
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/22/10/16-0675_article
[10] International Journal of Cancer: Occurrence of human papillomavirus (HPV) type replacement by sexual risk-taking behaviour group: Post-hoc analysis of a community randomized clinical trial up to 9 years after vaccination, 05.02.2019
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ijc.32189
[11] Clinical Infectious Diseases: Population Impact of Girls-Only Human Papillomavirus 16/18 Vaccination in The Netherlands: Cross-Protective and Second-Order Herd Effects, 28.11.2020
https://academic.oup.com/cid/article/72/5/e103/6010041
[12] Vaccines: Epidemiologic Profile of Type-Specific Human Papillomavirus Infection after Initiation of HPV Vaccination, 29.07.2020
https://www.mdpi.com/2076-393X/8/3/425
[13] BMC: Infectious Diseases: A cross-sectional study to estimate high-risk human papillomavirus prevalence and type distribution in Italian women aged 18–26 years, 07.02.2013
https://link.springer.com/article/10.1186/1471-2334-13-74
[14] Human Vaccines & Immunotherapeutics: Comparison of HPV prevalence between HPV-vaccinated and non-vaccinated young adult women (20–26 years), 16.09.2015
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21645515.2015.1066948
[15] BMC Infectious Diseases: Prevalence of non-vaccine high-risk HPV cervical infections in vaccinated women: a systematic review and meta-analysis, 28.01.2025
https://link.springer.com/article/10.1186/s12879-025-10520-6
[16] Centers for Disease Control and Prevention: Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), Human Papillomavirus (HPV) Vaccine Workgroup, Terms of Reference, 18.12.2025